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Magic spielen kann man aus völlig unterschiedlichen Gründen. Wenige tun es, um damit reich zu werden. Öfters hingegen gibt es die Leute, die vom Spielkonzept und den Regeln einfach begeistert sind und das Spiel für eines der Besten halten. Dann gibt es viele Spieler, die es wegen der sozialen Komponente – man trifft sich mit Gleichgesinnten und zockt fröhlich drauf los – tun. Und dann gibt es da Spieler wie mich, die vom Flair des Spiels einfach völlig fasziniert sind.
Und genau an eben solche Spieler soll sich dieser Artikel richten. Ich habe bereits Kommentare von Spielern gelesen, die die Bilder auf den Karten nicht einmal richtig wahrnehmen. Für die nur die Regeln gelten. Für mich spielt der Gesamteindruck einer Karte aber eine nicht unwichtige Rolle. So waren meine ersten Tribal-Decks aus dem Lorwyn-Block beispielsweise Feendecks, da ich den Hintergrund der kleinen blauen Flieger und ihre Portraits so mochte. Tatsächlich sahen diese Decks noch gänzlich anders aus, als das später so erfolgreiche Turnierdeck!
Ich will in den nun folgenden Zeilen versuchen, einen (natürlich völlig subjektiven) Eindruck vom künstlerischen Layout von Eventide wiederzugeben. Es soll um besonders schöne Bilder, interessante Rassen und Parallelen zu anderen Fantasy-Geschichten gehen. Und vielleicht richtet sich der Artikel gerade deswegen auch an diese Spieler, denen bislang der Hintergrund einer Magickarte völlig egal ist. Los geht's!
Der Gesamteindruck
Zunächst einmal gilt es natürlich, einen Blick auf das Gesamtkunstwerk zu werfen. Eventide macht sehr konsequent da weiter, wo Shadowmoor aufhörte: die Welt ist düster, von den sonnenbeschienen Wiesen und Wäldern Lorwyns ist nichts, aber auch so rein gar nichts übrig. Die meisten Bewohner dieser düsteren Welt haben grauslige Hakennasen, hervorstechende Augen und einen krummen Buckel. Wahlweise haben Sie auch gigantische Zähne. Meinem persönlichen Eindruck nach ist Eventide sogar noch eine ganze Ecke düsterer ausgefallen als sein Vorgänger.
Besonders auffällig für alle Fans des guten alten H.P. Lovecraft und seines Cthulhu-Mythos ist, dass viele Karten direkt von den “Großen Alten” inspiriert zu sein scheinen. Besonders im grünen, schwarzen und grünschwarzen Bereich sind mir da einige Exemplare untergekommen: Während Primalcrux schon sehr deutlich an Shub-Niggurath erinnert und Deity of Scars schon Züge vom Großen Cthulhu höchstselbst aufweist, erinnern die anderen eher vage an die ausserweltlichen Monstrositäten Lovecrafts - doch eine Verbindung zwischen Regal Force und Azathoth herzustellen, scheint nicht wirklich weit hergeholt, oder? Da es im Bereich des gepflegten, klassischen Horrors nichts Besseres denn Lovecrafts Werke gibt, ist das auf jeden Fall ein designtechnischer Schritt in die richtige Richtung!
Rassen
Gehen wir etwas mehr ins Detail und wenden uns den neuen Rassen zu, die Verwendung finden. Doug Beyer hat in einem höchst aufschlußreichen Artikel bereits den weltlichen Hintergrund vieler Rassen aus Eventide beleuchtet. Tatsächlich ließ sich das Designteam stark von irischer Folklore inspirieren. So sind zum Beispiel Geschichten von Selkies – Geister des Wassers, die gerne Menschen in ihr Reich lockten – von jeher Bestandteil der irischen Feenwelt.
Ein weiteres gutes Beispiel, wie sich die irischen Sagen perfekt in die dunkle Welt Shadowmoores einfügen, sind die Trolle vom Ashenmoor, die Trow. Diese Viecher wirken genauso böse, wie sie es auch sein sollten! Die krumme Hakennase (die ihnen eine eigentümliche Verwandschaft mit manch anderem Shadowmoore-Biest beschert), die dunkle Umgebung, die starrenden Augen… hier wurde vom Künstler Warren Mahy wieder ganze Arbeit geleistet!
Meine absolute Lieblingsrasse aus Eventide sind und bleiben allerdings die Duergar, garstige Zwergenkreaturen, die unter der Oberfläche Shadowmoores ein karges Leben als Schatzsucher verbringen. Jeder einzelne von Ihnen - sei es Duergar Assailant, Duergar Hedge-Mage, Duergar Mine-Captain oder Duergar Cave-Guard - strahlt etwas einzigartig Abnormes aus: kennt man Zwerge sonst als kräftige, kurze Wikinger mit vollen Bärten und riesigen Äxten, wird hier die Rasse neu erfunden: verhutzelt; schmächtig aber drahtig; weiße, karge Bärte und ein wild entschlossener Blick, der von einem harten Leben zeugt: hier sind wahre Kleinode entstanden und ich persönlich würde mir wünschen, den Duergar des Öfteren zu begegnen!
Doch wo viel (künstlerisches) Licht ist, da ist natürlich auch Schatten. Die eselsköpfigen Noggle beispielsweise sind höchstens als größte Slapstick-Einlage in Eventide brauchbar. Auch wenn sie natürlich eine wunderbare Hommage an die Spaßsets Unglued und Unhinged mit den darin verwendeten Donkeys darstellen, so wollen Sie mir doch nicht recht in die düstere Welt Shadowmoores passen. Ähnliches gilt in meinen Augen - und wenn sie noch so sehr die großen Fangzähne fletschen - für die Mimics, die wohl so etwas wie die pervertierte Version der Changelings darstellen sollen: meiner Meinung nach ein flavortechnischer Schuß in den Ofen!
Schöne Bilder
Natürlich gibt es noch einige wunderbare Illustrationen im Set Eventide, die in meinen Augen eine besondere Erwähnung finden sollten. Um dabei eine weitere Wertung zu vermeiden, werde ich einfach in alphabetischer Ordnung vorgehen.
Neben den gut dargestellten Nebeleffekten, die dieser Geist zu bieten hat, ist der Gesamteindruck einfach interessant. Kennt Ihr den Film „Asterix und die zehn Prüfungen“, während dem die Helden Asterix und Obelix eine untotes Regiment römischer Legionäre treffen? Bei diesem Bild stelle ich mir immer unweigerlich die Frage, auf welchem abgelegenen Schlachtfeld, das er nun heimsucht, dieser Liege gefallen ist.
Auch hier ist nicht die eigentliche grafische Darstellung sonderlich beeindruckend, sondern viel mehr die Frage nach dem Hintergrund. Welche abscheuliche Schandtat ist dieser Frau widerfahren, damit sie in dieser alten Bauernkate herumspuken muß? Ausserdem stellt dieses Bild eine wunderbare Verbindung zu den alten irischen Sagen um alte Geisterschlösser her und fügt sich somit sehr angenehm in das Set ein.
Die Wassereffekte des Cold-Eyed Selkie sind sehr ansprechend dargestellt. Außerdem entsteht alleine durch die pupillenlosen Augen ein angenehmes Frösteln im Nacken. Das das ganze auch noch an einen modernen Horror-Schocker erinnert, fügt der Edition die nötige Prise Humor hinzu, die ein gutes Horror-Setting braucht.
Der gute alte Crackleburr ist in erster Linie wegen den großartigen Lichtreflexen nominiert. Das macht aus dem blitzenden Fuchs doch gleich einen wahren Augenschmaus.
Die Divinity of Pride ist eine von den Karten, die wegen dem Gesamteindruck hier aufgelistet werden. Das Verhältnis zwischen der Figur und den dargestellten, verkrüppelten Bäumen lässt nur erahnen, wie groß die Divinity tatsächlich ist und lässt Raum für Spekulation. Durch die Verwendung des von der Orzhov-Gilde bekannten grün-grauen Farbschemas der Karte, lässt sie sich auch direkt der Farbkombination B/W zuordnen.
Der Duskdale Wurm selbst stellt zwar eine nicht gerade spielentscheidende Kreatur dar und auch seine Darstellung wirkt eher bieder. Aber der verknorrte Wald im Hintergrund des Bildes ergänzt sich wunderbar mit den Darstellungen der Trow und den Basis-Ländern, so dass hier der Blick auf die Welt Shadowmoore dezent erweitert wird.
Ganz ähnlich dem Crackleburr ist Helix Pinnacle wegen der großartigen Darstellung der Lichtreflexe mit auf meiner Liste gelandet. Die Lichtreflexe waren schon in den neuen Layouts der 10. Edition echte Hingucker und dieser Trend setzt sich in Eventide nahtlos fort.
Die Kithkin sind durch eine besondere Empathie, ein einzigartiges Gruppenbewußtsein aneinander gebunden. Selten wurde dieses Gruppenempfinden so intensiv dargestellt, wie beim Kithkin Zealot. Man kann ihm förmlich dabei zusehen, wie er die identitätslose Masse gleichermaßen anstachelt.
Dieses unheimliche Getier erinnert wahrscheinlich nicht völlig zufällig an die phyrexianischen Tötungsmaschinen aus der Welt Dominaria. Nur mit dem Unterschied, das der Necroskitter fast schon photorealistisch dargestellt ist. Allerdings läßt die Darstellung des Necroskitters Fragen offen. Was für ein unheimliches Licht leuchtet dort im Hintergrund?
Optisch ist der Noxious Hatchling mit Sicherheit das ansprechendste der Küken. Das ganze Bild atmet Verwesung, Tod und Verfall – vom faulig-grünen Ei über die dunstigen Nebelschwaden bis hin zum braunen Klumpen Erde, der das Nest war. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie der Hatchling wohl ausgewachsen aussehen mag.
Die Darstellung von Zaubern ist zumeist schwieriger umzusetzen, als die von Kreaturen oder Artefakten. Raven's Crime ist in meinen Augen aber sehr wirkungsvoll gelungen. Wie sollte man besser einen Raben, der die Gedanken seines Opfers stiehlt, darstellen?
Recumbent Bliss wiederum ist mehr wegen der Stimmung, die das Bild transportiert nominiert. Es stellt einen der wenigen Lichtblicke in der dunklen Welt Shadowmoores dar – zarte Sonnenstrahlen fallen auf den schlafenden Riesen und weiße Tauben (na gut, nicht ganz Tauben, aber es mag wohl das Magic-Equivalent dazu sein) tanzen auf seiner gigantischen Hand. Ein Bild, das wohl einen Silberstreif Hoffnung an das dunkle Firmament Shadowmoores werfen kann.
Ähnliches wie für Recumbent Bliss gilt wohl auch für Spitemare. Auch hier ist einer der wenigen Lichtblicke in einer düsteren Welt aufgezeichnet. Wobei hier auch die künstlerische Umsetzung für das geneigte Auge mit dem gerade entschwindenden Elementarwesen wieder anspruchsvoller wirkt.
Als ein weiteres Beispiel dafür, wie irische Legenden den Hintergrund Eventides über die Rassenwahl hinaus geprägt haben, habe ich den Stillmoon Cavalier ausgewählt. Zwar ist der „Kopflose Reiter“ in der amerikanischen Folklore ein durchaus gängiges Thema, so ranken sich doch bereits seit den alten Kelten Sagen um diese Gestalt.
Wer hier – so wie ich – zuerst nur den Drachenkopf sieht, der verpasst den bösartigsten Widder und den unheimlichsten Wolf, den Magic seit Jahren hervorgebracht hat. Ein Bild, das eine längere Betrachtungszeit fordert, von der Darstellung der lebensfeindlichen Gebirge Shadowmoores über die Blitzeffekte auf der Kreatur bis hin zu dem unheimlichen Wolkenwesen.
Der Umbra Stalker soll hier Erwähnung finden, nicht nur, weil er an lovecraftsche, ausserweltliche Monstrositäten erinnert, nein auch die Darstellung der irrealen Formen dieses Monsters mit den übergroßen Fangzähnen gehört zu den beeindruckendsten Bildern aus Eventide.
Zum guten Schluß habe ich Worm Harvest ausgewählt. Warum? Nun, das Bild ist handwerklich nicht mehr als solide. Doch es stellt wieder Verbindungen zu anderen Karten her, sind die Würmer doch eindeutig kleine Duskdale Wurms, die nur noch ihre Farbe anpassen müssen, wenn sie erwachsen werden.
Zusammenfassend entsteht für mich der Eindruck, dass der positive Trend, den WOTC mit der Zehnten Edition begonnen hat, weiter fortgeführt wird. Eventide wirkt in sich sehr stimmig und viele Kartenillustrationen sind echte kleine Kunstwerke. Ich hoffe, ich habe eine interessante Auswahl getroffen bei meinem Streifzug durch das Layout der Edition Eventide – und natürlich hoffe ich, den ein oder anderen zum Betrachten der Bilder angeregt zu haben! Welche sind Eure Favoriten?
MM |
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| 7 Kommentare | |   |
| #1 | Markus Heinrich — Duergar | 21.10.2008 - 08:32 |
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Ich finde die Duergar äußerst unpassend. Denn wenn du hier Karten über den grünen Klee lobst weil sie dir aus Romanen oder Spielen bekannt vorkommen, dann werde ich das auch mal machen.
Die angesprochenen Zwerge erinnern mich eher an die Duegar aus D&D. Und dort sind sie mit Sicherheit nicht R/W. Der Name ist bestimmt kein Zufall (Immerhin haben Wizards seinerzeit TSR gekauft). Allerdings hätte man sie dann konsequenterweise B/R machen müssen.
Und nur durch ein hineingepresstes r im Namen wird noch lange kein weißer Zwerg draus.
Ansonsten guter Artikel. Ich habe mit erschrecken bemerkt, das ich das Artwork tatsächlich bestenfalls oberflächlich betrachte. Wird sich ab heute ändern. |
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| #2 | F R — Duergar | 21.10.2008 - 08:53 |
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Ich finde gerade die klassischen Klischee-Fantasy Zwerge sind klar R/W... aber das könnte auch an langen Jahren DSA liegen.
Die Duergar sind, wie sie in Eventide dargestellt werden, mehr R/B als mono R, aber wenig W.
Grundsätzlich finde ich aber alle neuen Rassen aus EVT unpassend. Lorwyn/Shadowmoor war drei Sets lang mit den in Lorwyn usprunglich eingeführten 8 Rassen bevölkert, und dann kommen aus dem Nix fünf oder mehr neue dazu? Ich denke, das hätte auch eleganter gelöst werden können...
Natürlich sollte die plötzliche Diversifikation der "Knaller" des letzten Sets sein, aber meiner Meinung nach stört es die Stimmung der Welt empfindlich. |
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| #3 | André Frenzer — neue Rassen | 21.10.2008 - 10:53 |
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Ich kann schon verstehen, dass man sich durch die neuen Rassen auch "gestört" fühlen kann, grade, weil sie mit Lorwyn nichts zu tun haben.
Ich finde aber einfach, dass sich die neuen Rassen - auch dank ihres realen Hintergrundes - wunderbar in Shadowmoore einfügen, wohl aber nicht in Lorwyn. Aber zu Shadowmoore passen sie IMO wie Faust auf's Auge.
PS: D&D habe ich tatsächlich nie gespielt; vollkommen unvoreingenommen betrachtet haben die Duergar für mich einfach Flair |
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| #4 | Philipp Summereder | 21.10.2008 - 11:02 |
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Netter, gelungener Artikel - auch weils mal was Anderes ist!
Ich persönlich gehöre ja (leider?) zu den Spielern, die nur Casting Cost, Power/Toughness und die Rules Box sehen.
Werd das aber glaub ich in nächster Zeit mal ändern ;)
lg Phips |
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| #5 | Bone shredder — 8 Punkte | 21.10.2008 - 13:29 |
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Sehr schöne "mal was Anderes" - Idee. Ästhetik ist wohl die größte der wirklich unrechtmäßig unterreflektierten Komponenten dieses besten aller Sammelkartenspiele. Eigentlich will ich mittlerweile schon 9 Punkte geben, aber das geht nun nicht mehr... |
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| #6 | Norbert Distler — Magic auf´s künstlerische betrachtet - Cool | 21.10.2008 - 18:31 |
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Hab mir das Drachenwidderwolfbild als Desktophintergrund gemacht.
Müsst ihr mal ausprobieren, von je weiter weg ihr das Bild betrachtet, desto schärfer und düsterer wird es Geil!!!!
Habe ne 10 gegeben, schon alleine für den Genuss den Magic darstellen kann wenn man einfach nur mal den künstlerischen Aspekt betrachtet.
Danke André für die Anregung |
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| #7 | Moritz Germesin — Bilder zu klein | 22.10.2008 - 22:03 |
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um die bilder auf unseren geliebten papkarten würdigen zu können sind sie für mich zu klein. ich denke nur jedes mal "wow, was für ein tolles bild", wenn ich modo starte oder die bilder in artikeln sehe.
btw mein favorite in eve ist der noggle bridge breaker.
Genau so stelle ich mir den kick vor mit dem ein Eselmensch einen Brückenpfeiler anknachst. |
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