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Okay Leute, heute steht eine Menge auf der Tagesordnung, also legen wir gleich mal los.

Als allererstes gehen natürlich maaaaaaaad Props an David Reitbauer, Florian Pils und Manu Bucher für ihre Top 8-Platzierungen bei den Worlds raus. Alle drei sind Spitzentypen und haben sich dieses hervorragende Ergebnis (und die damit verbundene Kohle) redlich verdient. Und zumindest bei einem der Drei hat das Preisgeld schon zu einem massiven Lifestyle-Upgrade geführt: So soll Flo Zeugenberichten zufolge von normalen Müsli auf Bio-Müsli umgestiegen sein. Begründung: „Ich bin ja jetzt reich.“ Play the game, get some cereals.
Den gebührenden Respekt verdient sich natürlich auch der frischgebackene Weltmeister Andre Coimbra, gerade weil der Portugiese – wie böse Zungen behaupten – mit seinem „Naya Lightsaber“-Deck den schwierigsten Weg durch diese Top 8 hatte. Aber was soll's, Coimbra hat gut gespielt und ein wenig Glück gehört dazu.
Das Schlimme an seinem Sieg ist jedoch: Mike Flores hat jetzt wieder Stoff für die nächsten fünf Jahre, in denen er sich für sein innovatives Deck-Design beweihräuchern kann. Ein Naya-Deck mit Woolly Thoctar und Bloodbraid Elf ? No way! Besonders lustig fand ich diese ganze Angelegenheit, weil ich vor ein paar Monaten selbst mal über eine ganz ähnliche Naya-Liste geschrieben habe, und die war... ziemlich schlecht. (Jetzt kann ich's ja sagen, heh.) Wo liegen also die Unterschiede?
Es ist ein bisschen schwierig einzuschätzen, wie gut dieses Deck tatsächlich ist, wenn auf der einen Seite die fanatischen Flores-Jünger (woher auch immer die kommen) und auf der anderen Seite die üblichen Internet-Hater stehen. Fakt ist: Das Deck ist nicht sonderlich toll, aber es ist nicht so schlecht, wie manche meinen. Klar, Naya Lightsaber produziert die schlechtesten Bloodbraid-Elf-Cascades des Formats, denn wo Jund in Blightning cascaden kann, cascaded man hier oftmals in Noble Hierarch . Es hat außerdem den schlechtesten Baneslayer Angel des Formats, weil es ihn nicht mit Brave the Elements oder Bant Charm beschützen kann. Und es hat den schlechtesten Ranger of Eos des Formats, da man mit Hilfe des Rangers keine neue Angriffslinie eröffnen kann, wie es zum Beispiel das Boros Bushwhacker-Deck beherrscht und die gefetchten Nacatls oftmals ohnehin nur 2/2 sind.
Das ist aber alles gar nicht so schlimm. Denn die genannten Karten sind auch so stark genug.
Klar, auf den ersten Blick ist Naya Lightsaber der unsynergetischste Haufen, der jemals in einer Pro Tour Top 8 zu sehen war. Und vermutlich stimmt das sogar. Aber: Magic hat sich verändert. Historisch gesehen haben Good-Stuff-Decks nie besonders viele Turniere gewonnen, aber manche Einzelkarten sind momentan so stark, dass es sich überhaupt nicht lohnt, auf Synergien zu achten. Wer mehr starke Karten hat, gewinnt. Das war in der Worlds-Top 8 sehr schön zu sehen, wo in vielen Spielen einfach derjenige gewonnen hat, der die sickeren Bloodbraid-Elf-Cascades hatte oder mehr Baneslayer Angel gezogen hat.
Die Stärke des Naya-Decks liegt darin, dass es als einziges Deck im Format Bloodbraid Elf UND Baneslayer Angel spielt. Nehmen wir Noble Hierarch dazu und wir haben ein Deck, das die besten drei Kreaturen des Formats spielt. Dazu spielt es das beste Spotremoval des Formats (Path to Exile , Lightning Bolt , Ajani Vengeant ) und als Sahnehäubchen den besten Jund-Hate des Formats im Sideboard. Abgesehen von Spreading Seas natürlich!
Und das reicht dann halt. Tja, so einfach kann Constructed sein. Das ist nicht schön, aber momentan müssen wir uns wohl damit abfinden.
Ich bin letzten Samstag auch mal wieder dazu gekommen, ein wenig Standard zu spielen und habe beim monatlichen Münchner Standard-Turnier mitgezockt. Folgende Schönheit habe ich pilotiert:
Das Deck ist völliger Blödsinn, baut das ja nicht nach! Da sind mindestens zwei Birds zu viel drin und mindestens zwei Sphinxen zu wenig. Andererseits: Dafür, dass ich mir das Deck am Tag zuvor in fünf Minuten in der U-Bahn ausgedacht habe, ist es gar nicht so schlecht. (Abgesehen von der Manabase, die hab ich zehn Minuten vor Turnierbeginn gebaut, als ich immer noch halb betrunken vom Vorabend war. Man merkt es der Manabase kaum an, finde ich!)
Einige interessante Ideen waren allerdings trotzdem dabei. Mind Control zum Beispiel ist tatsächlich gut! In erster Linie war die Karte als Metacall im Main, weil ich aus gut informierten Quellen wusste, dass viele Vampire zu erwarten sein würden. Und ich wollte halt nicht gegen die doofe Malakir Bloodwitch verlieren. Im Bant-Mirror, das jetzt zumindest nach Manus Erfolg auf den Worlds häufiger vorkommen sollte, ist Mind Control ebenfalls super, weil man dadurch virtuell sieben Baneslayer Angel s hat. Im schlimmsten Fall ist die Karte ein Two-for-One, im besten Fall gewinnt sie im Alleingang das Spiel. Sogar gegen Jund ist Mind Control okay, auch wenn man dort mit der geklauten Kreatur so früh wie möglich abtauschen sollte, um dem fiesen Maelstrom Pulse zu entgehen.
White Knight hat mich positiv überrascht. Aus Kurvengründen wollte ich noch einen Two-Drop haben, und der kleine Kerl besiegt Vampire im Alleingang und hält einen Großteil der Jund-Tiere auf. Allerdings wird der Ritter jetzt vermutlich wieder ein bisschen schlechter, wenn die Jund-Listen mit Master of the Wild Hunt zusätzliches nicht-schwarzes Removal spielen.
Im Sideboard steckt noch mehr grober Unfug, aber eine Karte hat mich sehr überzeugt: Grizzled Leotau . Ich dachte mir schon nach dem Release von Alara Reborn, dass so eine 1/5 für zwei Mana unter gewissen Umständen voll super sein muss. In diesem Deck ist Denial Cat auf jeden Fall besser als die originale Wall of Denial , weil sie einen Turn früher das Battlefield betritt (wichtig gegen Boros) und auch mal einen Behemoth Sledge zwischen die Pfoten nehmen kann. Zwei Stun den nach dem Turnier sehe ich dann auf der Wizards-Coverage von den Worlds, dass Manu ebenfalls das volle Playset im Sideboard hat. Great minds think alike!
Turbo Tournament Report:
Runde 1 gegen Vampire – Spiel 1 gewinne ich mit White Knight + Behemoth Sledge ; Spiel 2 mit Mind Control auf Malakir Bloodwitch .
Runde 2 gegen Jund – Spiel 1 gewinne ich mit White Knight + Behemoth Sledge , Spiel 2 verliere ich gegen Garruk, Spiel 3 gewinne ich mit Sphinx of Jwar Isle .
Runde 3 gegen White Weenie – Spiel 1 gewinne ich dank Behemoth Sledge , nachdem ich zuvor Mind Control auf einen Token von Conqueror's Pledge machen musste, um nicht zu sterben. Der Hammer! Spiel 2 werde ich überrannt, Spiel 3 mache ich Turn 3 Mind Control auf Kazandu Blademaster , Turn 4 Baneslayer, Turn 5 Baneslayer.
Runde 4 gegen Jund – Ich werde zweimal vom God-Draw eingestampft.
Runde 5 gegen Boros – Spiel 1 gewinne ich mit Turn 4 Baneslayer, Turn 5 Baneslayer, Turn 6 Sphinx. Spiel 2 halte ich eine zu langsame Hand und verliere. Spiel 3 verliere ich wegen extremen Flood s.
Dank meines Oppscores springt immerhin noch ein fünfter Platz heraus, und Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Außerdem konnte ich endlich herausfinden, wie gut manche Karten sind und manche nicht. Sollte also in der kommenden Standard-Saison Mind Control plötzlich zur angesagten Tech werden, werde ich dessen Entdeckung unnachgiebig für mich reklamieren. 
Ich merke schon, ich schweife heute öfter mal ab. Jetzt aber zu Limited!
Letzte Woche hatte ich ja im offiziellen Blog des MU-Teams fünf knifflige Firstpick-Entscheidungen zur Debatte gestellt, die ich schon allesamt zumindest miterlebt habe. Findige Leser haben schnell festgestellt, dass in den Beispielen a) und d) entweder ein fehlerhafter Printrun oder eine Foil involviert gewesen sein muss und diese Pick-Entscheidungen daher nicht relevant fürs tägliche Draften sind. Das stimmt. Aber ich wollte trotzdem einfach mal sehen, welche Karte die Community für stärker hält.
Stürzen wir uns also in die Auswertung der Ergebnisse! Dabei kann ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, meinen Senf dazuzugeben und zu begründen, was ich gepickt hätte. An dieser Stelle auch vielen Dank an die sage und schreibe 54 Kommentatoren, die mitgemacht haben!
a) Disfigure vs. Hideous End?
• Disfigure 57,4%
• Hideous End 42,6%
Mein Pick: Disfigure
Ich bin sicher, dass mittlerweile jeder diese Liste kennt:
Magic Online Factoid
Top 10 first picks of 8-4 ZEN draft winners
1. Hideous End
2. Burst Lightning
3. Vampire Nighthawk
4. Journey to Nowhere
5. Marsh Casualties
6. Disfigure
7. Plated Geopede
8. Trusty Machete
9. Malakir Bloodwitch
10. Kor Skyfisher Diese Liste wurde von den WotCis höchstpersönlich in einem Newsletter veröffentlicht und zeigt an, welchen Firstpick die Gewinner von 8-4-Drafts auf Magic Online am meisten tätigten. Hideous End ist dabei auf Platz 1 und weit vor Disfigure , das sich auf dem sechsten Rang befindet. Klarer Fall also, oder? So argumentierten auch einige Kommentatoren.
Nicht ganz.
Dass Disfigure seltener gepickt wird als Hideous End , hat GAR NICHTS mit der Qual ität der Karten im direkten Vergleich miteinander zu tun, sondern mit der Qual ität der beiden Karten im Vergleich zum restlichen Booster. Es gibt leider (noch?) keine genauen Daten über die Zendikar-Printruns, aber: Was wäre, wenn Disfigure im selben Printrun wie Burst Lightning läge, der Nummer 2-Common auf dieser Liste, während Hideous End in seinen Printruns weitestgehend konkurrenzlos ist? Dann wird natürlich Hideous End weitaus öfter gepickt.
Nein, der Antwort auf diese Frage können wir uns nur nähern, indem wir klassisch Vor- und Nachteile beider Karten miteinander abwägen. So ist es schon einmal interessant, dass Hideous End (wenn ich mich nicht verzählt habe) 43 Common-Kreaturen im Format tötet, Disfigure hingegen „nur“ 36. Doch bei den sieben Kreaturen mehr, die Hideous End tötet, Disfigure jedoch nicht, sind viele marginale Typen wie Joraga Bard oder Zendikar Farguide dabei.
Hinzu kommt: Disfigure kann Gegner wie Molten Ravager oder Nissa's Chosen ebenfalls abrüsten, wenn man die Karte als Combat-Trick verwendet. Sogar der fiese Giant Scorpion lässt sich auf diese Weise besiegen! Die „Dunkelziffer“ an potenziellen Disfigure -Targets ist also sogar noch etwas höher.
Was für mich den Ausschlag für Disfigure gibt: Schwarz ist die mit Abstand beliebteste Farbe im Zendikar-Limited. Jeder Depp tut sein möglichstes, um die Farbe zu forcen. Will ich da wirklich lieber Hideous End haben, das gegen 50 Prozent meiner Gegner potenziell tot sein kann? Ich meine, versteht mich nicht falsch, Hideous End ist immer noch super und ein würdiger Firstpick. Aber mir ist es schon einen Tick zu oft passiert, dass ich diese Karte einfach nicht so anbringen konnte, wie ich es wollte.
Und da sind wir noch gar nicht mal bei den offensichtlichen Vorteilen von Disfigure . Damit meine ich nicht den Fakt, dass die Karte splashbar ist, denn splashen will man sie definitiv nicht. (Auch wenn die Manakosten von Disfigure in RB-Decks mit Fokus auf Spire Barrage und Co. oder im gierigen WB mit vielen Two-Drops für WW sicherlich günstiger sind.) Nein, es ist die simple Tatsache, dass Disfigure nur ein Mana kostet und somit um 66 Prozent günstiger ist als Hideous End . Gerade in einem so krass tempobasierten Draftformat wie diesem ist das eine ganze Menge. Disfigure erlaubt es einem zum Beispiel, im dritten Zug Removal auf das gegnerische Tier zu spielen und mit den restlichen zwei Mana noch das Board auszubauen, üblicherweise mittels eines Two-Drops. Hideous End hingegen verbraucht fast immer die Ressourcen des gesamten Zuges, auch wenn es als Bonus noch als kleiner Burnspell fungiert. Das wahnwitzige Tempo dieses Formats kommt Disfigure auch insofern entgegen, als dass die dicken Tiere, bei denen Hideous End wiederum im Vorteil ist, seltener vorkommen als in anderen Draftformaten – weil einfach niemand die Zeit hat, sie auszuspielen!
b) Burst Lightning vs. Hellkite Charger?
• Burst Lightning 72,2%
• Hellkite Charger 27,8%
Mein Pick: Burst Lightning
Das war der Pick, den ich persönlich noch am offensichtlichsten fand, wenn man sich ausreichend mit dem Format beschäftigt hat. Er war auch insofern ein kleiner Test, als dass ich einfach sehen wollte, wie viele sich trauen, den flashy 5/5-Drachen weiterzugeben. Das Ergebnis: Erstaunlich viele!
Das Ding ist, in fast jedem anderen Draftformat der Geschichte wäre Hellkite Charger unzweifelhaft der richtige Pick. Im M10-Draft beispielsweise hätte ich ohne zu Überlegen den Drachen geslammed. Doch das hier ist Zendikar, und hier herrschen andere Gesetze. Spiele in Zendikar sind oftmals nur ein wahnwitziges Race. Und während 5/5-Drachen mit Haste perfekt dafür geeignet sind, solche Races zu gewinnen – hat ja niemand das Gegenteil behauptet – gibt es eine Gattung Karte, die das noch besser kann: Der flexible Shock , den man je nach Notwendigkeit zum Lightning Blast aufwerten kann. Burst Lightning ist, wie es ein Kommentator ganz richtig formuliert hat, der Fireball des Formats, denn für einen Feuerball mit X > 4 hätte man in diesem Format ohnehin nie Zeit. Und Burst Lightning ist auch noch Instant!
Die Finisher-Qualitäten von Hellkite Charger sind zweifellos größer, aber in vielen Momenten, in denen der Drache ganz elegant für den Sieg angreift, hätte es ein gekicktes Burst Lightning an den Kopf auch getan. Hellkite Charger kann „nur“ finishen; Burst Lightning kann finishen ODER zuvor schon dafür sorgen, im Race vorne zu bleiben.
c) Journey to Nowhere vs. Trusty Machete?
• Journey to Nowhere 31,5%
• Trusty Machete 68,5%
Mein Pick: Trusty Machete
Okay, ich muss ganz ehrlich zugeben: Bei diesem Pick musste ich richtig rumbrainen, bevor ich meine Entscheidung getroffen habe. Das Ding ist: Ich halte die Machete für ziemlich überschätzt. Ja, sie ist sehr, sehr gut, aber in diesem Format finde ich sie bisweilen schon fast etwas klobig. Außerdem hat die Machete die Eigenschaft, dass man den Sieg in einem Spiel immer an ihr festmacht und die Karte oftmals vom Blick auf den wahren Gamewinner ablenkt. Wie oft habe ich mir gedacht: „Yeah, diese Machete hat mir gerade voll das Spiel gewonnen, indem sie meinen 3/3-Geopede zur Kampfmaschine gemacht hat!“, nur um dann festzustellen, dass es in Wahrheit die Geopede war, die das Spiel zu meinen Gunsten entschieden hat, und nicht das Equipment. Denn hätte ich neben meine 3/3-Geopede ein weiteres ordentliches Tier anstelle der Machete gelegt, hätte das vermutlich auch gereicht. Spiele, die mit der Machete gewonnen werden, sind in nicht wenigen Fällen ein klassischer Fall von Win-More; das gilt auch für Adventuring Gear .
That being said: Natürlich ist die Machete eine super Karte, keine Frage. Aber mit Journey to Nowhere hat sie einen harten Gegner! Wir sprechen hier immerhin von einem der härtesten Removal-Spells im Format, der nur dann „weich“ wird, wenn der Gegner zufällig gerade Kor Sanctifiers oder Mold Shambler am Start hat. Ginge man rein nach dem Powerlevel, würde ich Journey to Nowhere (Äpfel vs. Birnen-Style!) sogar knapp über der Machete einordnen.
Doch warum nehme ich trotzdem die Machete über das Journey, wie auch die meisten anderen? Etwa, weil ich mir mit einem Artefakt im ersten Pick alle Opt ionen offen halte? Nö. Der wahre Grund ist: Firstpick Machete erhöht meine Chance signifikant, Schwarz draften zu können.
Gehen wir davon aus, dass wir am Drafttisch einen halbwegs kompetenten Hintermann haben, wird er sich beim zweiten Pick sofort fragen, welche Uncommon ich wohl über Journey to Nowhere nehmen könnte. Und da kommen nur drei Karten in Betracht: Vampire Nighthawk , Marsh Casualties und unsere Machete. (Wobei man eventuell auch ein Argument für Living Tsunami oder Shepherd of the Lost machen könnte.) In dieser Situation muss unser Hintermann also davon ausgehen, dass wir mindestens zu 66 Prozent Schwarz draften und – angesichts der Qual ität unseres potenziellen Firstpicks – wild entschlossen sein werden, darum zu kämpfen. Gleichzeitig schieben wir ihm mit Journey to Nowhere ein ziemlich klares Weiß-Signal, das er besser annehmen sollte. Praktischerweise ist BW auch keine wirklich gute Farbkombination.
Die Voraussetzungen, Schwarz (und somit die stärkste Farbe) zu draften, sind also hervorragend für uns, denn wir können davon ausgehen, im zweiten Booster reich beschenkt zu werden. Wir müssen also im ersten und dritten Booster nur noch eine Handvoll schwarzer Playables abgreifen – was machbar erscheint angesichts der Qual ität der Farbe – und alles wird super. Und sollte Schwarz wirklich nicht offen sein, beispielsweise weil sich unsere drei Vordermänner schon darin befinden: Wir haben unsere Chancen maximiert. Und einen Firstpick getätigt, mit dem wir etwas länger flexibel bleiben können als die anderen Drafter.
d) Vampire Nighthawk vs. Marsh Casualties?
• Vampire Nighthawk 100%
• Marsh Casualties 0%
Mein Pick: Vampire Nighthawk
Das fand ich total interessant. Bin ich der einzige, der diesen Pick für halbwegs knapp hält? Ich meine, klar, Nighthawk ist Nighthawk, aber die Karte ohne jede Diskussion über eine Sorcery zu picken, die in den meisten Fällen ein einseitiger Wrath of God ist? Das ist wieder so ein lehrreicher Pick, in dem die gnadenlosen Mechanismen des Formats offensichtlich werden.
Letztenendes ist es ohne Frage richtig, den Nighthawk über Marsh Casualties zu nehmen. Der kleine Nachtschwärmer produziert vielleicht keinen einseitigen Wrath of God , aber das muss er auch gar nicht. Mit einem Nighthawk auf dem Board werden die gegnerischen Kreaturen nämlich einfach größtenteils egal.
Mir ist ehrlich gesagt nicht danach, weitere Elegien auf den Nighthawk zu verfassen, zumal ich da nur Zeug schreiben würde, das ihr vermutlich selbst schon wisst. Nur so viel: Lifelink ist richtig, richtig gut in diesem Format, und die Kombination aus Deathtouch und Toughness 3 macht es fast unmöglich, ihn ohne Kartennachteil totzublocken. Außerdem kann relativ wenig Removal im Format dem Nighthawk etwas anhaben. Und Flying gibts noch oben drauf. Klingt fair.
Marsh Casualties hat außerdem eine höhere Varianz als der Nighthawk. Während der Vampir ausnahmslos immer super ist (außer ihr seid auf einem Leben und euer Gegner hat Blood Seeker oder so), kann es auch manchmal sein, dass Marsh Casualties nicht so viel macht, weil euer Gegner keine kleinen Tiere auf dem Board hat. Aber zugegebenermaßen kommt das eher selten vor.
e) Shepherd of the Lost vs. Felidar Sovereign?
• Shepherd of the Lost 40,7%
• Felidar Sovereign 59,3%
Mein Pick: Felidar Sovereign
Der härteste Pick kommt zum Schluss. Und auch bei diesem Pick schließe ich mich der Meinung der Mehrheit an, bin mir aber gleichzeitig überhaupt nicht sicher. Klar ist: Man freut sich über beide Karten wie Ashraf über einen Martyr of Sands auf der Starthand, denn sowohl der Engel als auch Baneslayer Cat haben das Potenzial, das Board komplett zu dominieren, wenn sie erst einmal liegen. Aber welche Karte ist jetzt stärker?
Betrachten wir den Powerlevel der beiden Kreaturen im absoluten Vakuum, ist Felidar Sovereign auf jeden Fall die stärkere Karte. Doch Karten existieren nun einmal nicht im Vakuum. Viele andere Faktoren müssen bei der Evaluation noch in Betracht gezogen werden. Der Reihe nach.
Shepherd of the Lost kostet zum Beispiel ein Mana weniger, was in einem Format wie Zendikar-Draft, in dem Spiele oft schnell vorüber sind, eine ziemlich große Sache ist. Der Unterschied zwischen fünf und sechs Mana ist eklatant, wird aber andererseits dadurch wieder teilweise negiert, dass man in vielen Aggro-Decks ohnehin 18 Länder haben möchte, um Landfall auszunutzen. Theoretisch ist der Shepherd auch splashbar, aber in der Praxis spielt das nur für einige Tier-2-Archetypes wie UG eine Rolle. In der Praxis haben die meisten Decks nicht die richtigen Enabler für einen Splash, ganz abgesehen davon, dass man in diesem Format meistens das solide, zweifarbige Aggro-Deck sein möchte. Und in Aggro-Decks haben Splashes in der Regel nichts verloren.
Ein weiterer Vorteil von Shepherd of the Lost : Die Evasion. Aber die hat Felidar Sovereign auch! Denn niemand kann mir erzählen, dass jemand eine 4/6-Kreatur in diesem Format so ohne weiteres totblocken kann. „Fattie Evasion“ heißt das Stichwort. Ein klares Unentschieden also in diesem Bereich.
Schauen wir also lieber, welche der beiden Kreaturen anfälliger für Removal ist. Im folgenden eine Auflistung aller Commons und Uncommons, an denen Shepherd of the Lost stirbt, Felidar Sovereign aber nicht:
· Arrow Volley Trap
· Burst Lightning
· Inferno Trap
· Magma Rift
· Spire Barrage (sechs Mountain s sind eher unrealistisch, drei jedoch nicht)
· Oran-Rief Recluse
Und jetzt anders herum. Commons und Uncommons, an denen Felidar Sovereign stirbt, Shepherd of the Lost jedoch nicht:
· Pitfall Trap
· Merfolk Seastalkers (zumindest wird er hiervon abgestellt)
· Turntimber Basilisk
Hinzu könnte man noch Karten wie Giant Scorpion oder Vampire Nighthawk nehmen, die den Sovereign zumindest in der Offensive virtuell abstellen, oder Baloth Cage Trap , die in Verbindung mit einer weiteren Kreatur zur Pitfall Trap für Arme werden kann. Aber selbst dann ist Baneslayer Cat die weitaus unanfälligere Kreatur, vor allem im Matchup gegen Rot, das die Katze überhaupt nicht vom Tisch bekommt.
Rot ist auch die Farbe, gegen die der größte Vorteil des Sovereigns am stärksten ins Gewicht fällt: Die Lifelink -Ability. Gerade gegen rote Decks verliert man ja öfter mal, obwohl man sich gerade stabilisiert hat, weil man dann doch noch überraschend ein Spire Barrage oder Unstable Footing ins Gesicht geschleudert bekommt. (Catch!) Mit Baneslayer Cat ist das jedoch kein Problem mehr. Die geringere Anfälligkeit gegen Removal sowie Lifelink geben hier für mich den Ausschlag für den Sovereign und gegen Shepherd of the Lost – auch wenn Baneslayer Cat ein Mana mehr kostet. Doch diesen Aufpreis ist die Mieze locker wert.
Ich hoffe, euch hat dieses Experiment gefallen und ihr hattet Spaß dabei, jeweils zwei Karten im Kopf miteinander abzuwägen. Bei Interesse kann ich auch gerne mal einen Nachfolger schreiben! Wenn ihr irgendwelche kniffligen Firstpicks parat habt, die euch schon einmal begegnet sind, dann postet sie am besten gleich in die Comments.
Bis nächste Woche!
Flo
www.twitter.com/MUTeamLinz
www.twitter.com/HandsomeMUC
BONUS SECTION
Die Top 5 der Zendikar-Commons, nach Farbe sortiert (Update)
Weiss
1. Journey to Nowhere
2. Kor Skyfisher
3. Kor Hookmaster
4. Steppe Lynx
5. Kor Sanctifiers
Blau
1. Welkin Tern
2. Umara Raptor
3. Windrider Eel
4. Into the Roil
5. Kraken Hatchling
Schwarz
1. Disfigure
2. Hideous End
3. Giant Scorpion
4. Surrakar Marauder
5. Vampire Lacerator
Rot
1. Burst Lightning
2. Plated Geopede
3. Torch Slinger
4. Goblin Shortcutter
5. Bladetusk Boar
Grün
1. Oran-Rief Survivalist
2. Nissa's Chosen
3. Harrow
4. Grazing Gladehart
5. Mold Shambler
Artefakte & Länder
1. Adventuring Gear
2. Stonework Puma
3. Teetering Peaks
4. Hedron Scrabbler
5. Soaring Seacliff s
(Meine ursprüngliche Liste zum Vergleich.) |
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| 7 Kommentare | |   |
| #1 | Mathias Passin | 29.11.2009 - 14:42 |
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Sehr interessanter Artikel, auch fundiert geschrieben. Deckt sich zudem mit meinem Erfahrungen aus annähernd 20 Drafts. Außerdem auch noch unterhaltsam wie immer, was mich zu dem Fazit führt, dass sich deine Artikel zu den besten entwickeln, die man im deutschsprachigen Magicland zu lesen bekommt. Keep up the good work! |
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| #2 | René Appel — @pickorder | 29.11.2009 - 23:14 |
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also ich finds inzwischen echt lustig und es freut mich dass alle den tern so toll finden... der macht bei mir immer gar nichts...raptor ist um klassen besser... verreckt nicht an ner ungeckickten recluse, wächst oft drüber hinaus.... und verreckt auch nicht EINFACH so an nem archer... ich seh immer wie die 3 tern decks eingehen weil gx.deck 1 archer und noch random ally hat und damit das tern.dec demontiert... |
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| #3 | TMM — also meine blaue pickorder | 30.11.2009 - 00:42 |
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ist die:
Blau
1. Umara Raptor
2. n/a
3. n/a
4. n/a
5. n/a
will sagen: wird nur ins allydeck gesplasht und ist ansonsten unspielbar, glaubt mir aber immer noch kaum jemand |
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| #4 | frank ohlhof | 30.11.2009 - 12:43 |
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hey tmm, wusste garnicht das es neben mir noch andere blau unspielbar finder gibt. ich pick blau nur den raptor und manchma nehm ich noch den aal und into the roil. dann spiel ich tief weiß und als support raptoren, aale und ein bounce |
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| #5 | Dominik Nitsch | 01.12.2009 - 04:10 |
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"Klar ist: Man freut sich über beide Karten wie Ashraf über einen Martyr of Sands auf der Starthand"
Ich musste lachen. =D |
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| #6 | Bastian Grimberg | 01.12.2009 - 16:32 |
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Super Artikel!
Ich bin zwar der Meinung, dass Disfigure um 200% günstiger ist als Hideous End (1 Mana zu 3 Mana), nicht um 66%, aber das schmälert die Qualität in keinster Weise.
Gerne einen Nachfolgeartikel! |
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| #7 | Lukas Fesca — klugscheißen.. | 01.12.2009 - 22:05 |
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Hideous end ist 200% Teurer als Disfigure.
Disfigure ist 66% billiger als Hideous End.
Hideous End kostet 300% von dem was Disfigure kostet.
Disfigure kostet nur 33% von dem was Hideous End kostet. |
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