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Gehetzt blickte sich die viridische Schamanin um. Ihre herausragenden Sinne gestatten es ihr, geschickt zwischen den gigantischen Stämmen der Bäume hindurch zu huschen, ohne nach vorne zu sehen. Sie waren immer noch da.
Sie floh vor zwei gigantischen Lichtbogen-Schergen, die sie mit weit ausholenden Schritten durch den Wald jagten. Während sie sich mühelos ihren Weg bahnte, konnte sie hinter sich das berstende Krachen umstürzender Bäume hören. Und das schlimmste war – es kam näher…
Hinter einem grotesk hohen Stamm blieb sie stehen. Sie schloß die Augen und sammelte sich kurz. Jetzt oder nie. Gerade als der Baumstamm, an dem sie noch gerade gelehnt hatte, zur Seite gedrück wurde, wirbelte sie herum. Aus ihren Händen schoß ein gleißender Strahl pures grünes Mana auf den Angreifer. Der Scherge begann zu pulsieren und binnen weniger Augenblicke verstreuten sich seine mechanischen Extremitäten quer durch den Wald.
Die Schamanin wurde durch die Explosion zu Boden geworfen. Benommen suchten ihre Augen nach dem zweiten Gegner, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Wie von Zauberhand bewegt schwebten die Einzelteile des zerstörten Schergen auf den verbliebenen zu, verformten sich, setzten sich neu zusammen. Der Scherge wuchs.
Sie verstand nicht. Sie wollte schreien. Doch es war zu spät…
Herzlich willkommen zu meinem zweiten Artikel hier auf MagicUniverse.de. Nachdem ich die Kritik für mein Erstlingswerk sehr aufmerksam verfolgt habe, will ich versuchen, es heute etwas besser zu machen und ein wenig fokussierter an die Sache heranzugehen. Wichtig an dieser Stelle ist es aber sicher noch zu erwähnen, das die Worte CASUAL und KÜCHENTISCH hier irgendwo groß geschrieben erwähnt werden sollten (was soeben geschehen ist).
Evolution
Die Geschichte der Evolution ergäbe ein Buch, das mindestens genauso spannend wäre, wie das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Es ist erstaunlich zu sehen, wie zyklisch die Evolution verlief. Jedesmal, wenn sich aus den bakteriellen Einzellern Mehrzeller gebildet hatten, lernten die Tiere das Schwimmen, dann das Laufen, dann das Fliegen. Dann stürzte irgendein riesiger Meteorit wahlweise ins Meer oder auf einen benachbarten Planeten, läutete damit die nächste Eiszeit ein und die Evolution konnte wieder von vorne anfangen. Ein ziemlich ermüdender Job, möchte man meinen.
Mit ein wenig Vorstellungskraft lässt sich das Konzept der Evolution auch auf die Arbeit der Küstenmagier auf das von uns allen so geliebte Magic-Spiel übertragen. Erst wird liebevoll eine neue Mechanik oder ein neues Thema aufgebaut, nur um kurze Zeit später einer Eiszeit – auch bekannt als „neuer Block“ – zum Opfer zu fallen und alles beginnt wieder von vorne. Dies gilt natürlich sowohl für große Thematiken – wie z. B. Legenden, Mehrfarbigkeit, Artefakte, Stammeszugehörigkeit, etc. – aber auch für eher regelverwurzelte Mechaniken. So basteln die Wizards beispielsweise alle paar Sets neue Mechaniken rund um +1/+1-Counter ein. Seien es die Spike-Kreaturen aus „Stronghold“ und „Exodus“ (wie beispielsweise Spike Soldier oder Spike Feeder), die Arcbound-Kreaturen aus „Darksteel“ (bestes Beispiel ist hier natürlich der Arcbound Ravager) oder die Simic-Gilde aus „Dissension“ (hier stellvertretend vertreten durch Simic Basilisk und Simic Initiate). Und genau um diese +1/+1-Counter und die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Sets soll es heute gehen.
Ich, Timmy
Ja, ich bin ein Timmy. Timmy ist der Typ, der auf einen Hamletback Goliath starrt und denkt: „Genial, der wird ja immer grösser!“ Das magicspielen begonnen habe ich zu Zeiten des Mirrodin-Zyklus. Mein absolutes Lieblingsdeck war damals eine „getunte“, rein blaue Version des Themendecks „Transference“, welches die damals noch neuen Arcbound-Kreaturen einführte. Ich war damals natürlich noch meilenweit davon entfernt, an Raffinity auch nur zu denken, aber es bereitete mir einfach unglaublich viel Vergnügen mit anzusehen, wie meine Kreaturen trotz der Anstrengungen meiner Gegner immer grösser und grösser wurden.
Dann stiess ich eines Tages in den Wühlkörben meines Spieleladens auf alte Spike-Kreaturen: Spike Soldier, Spike Worker und Spike Colony. Meine Augen leuchteten und in meinem noch jungen Spielerhirn reifte rasch der Gedanke an ein neues Deck heran. Grün war die Farbe der Wahl, und möglichst viele +1/+1-Counter sollte es generieren können, um die Arcbound-Kreaturen weiter aufzuwerten. Nachdem ich meinen (damals noch recht kleinen Kartenpool) durchsucht hatte, warf ich folgendes Deck zusammen:
Ich spielte einfach alles, was Arcbound hieß, +1/+1-Counter erzeugte oder verwenden konnte und einen Haufen Mana-Artefakte, um die beständig anfallenden Mana-Kosten der Spike-Kreaturen bezahlen zu können. Im Nachhinein kommt mir diese Liste (mit ihren 70 Karten…) selbst ein wenig abstrus vor, ich erinnere mich aber, sie später sogar noch um Rite of Passage erweitert zu haben, welches in Verbindung mit einem Triskelion eine schöne Endloskombo ergab.
Man ließ das Triskelion auf sich selbst schießen, wodurch natürlich ein Schadenspunkt entstand, so dass das Rite of Passage eine zusätzliche Marke generierte. Waren zwei Rite of Passage im Spiel, erhielt man immer eine zusätzliche Marke. Dieses Spiel konnte man nun eine gewisse Zeitlang hin und her treiben, bis die gegnerische Lebenspunktzahlgrenze erreicht war. Ich fügte fleißig weitere Karten hinzu, ohne mich von einer Karte trennen zu können. Im Prinzip war es egal was man zog – entweder es steuerte +1/+1-Counter bei oder konnte gerade welche brauchen.
Stell Dich jetzt dem Timmy in Dir
So, nun wollen wir gemeinsam versuchen, diese Liste auf einen aktuellen Stand zu bringen. Einige Editionen sind seit „Mirrodin“ erschienen und der größte +1/+1-Zyklus stammt aus „Dissension“, einhergehend mit den Meistern der Evolution, den Simic.
Zuerst präsentiere ich die neue Deckliste und gehe anschließend auf die Cardchoices ein.
Nun, als offensichtlichste Änderung hat sich eine zusätzliche Farbe – nämlich blau – in die Deckliste geschlichen, um einige der Simic-Kreaturen mit dem ursprünglichen Deckplan zu verbinden. Die alten Spike-Kreaturen sind komplett aus der Deckliste verschwunden – zu manaintensiv war der Einsatz ihrer Fähigkeiten. Da wir das Verschieben der Marken nun nicht mehr teuer bezahlen müssen und die Mana-Kurve ohnehin um einiges glatter ausfällt, sind auch die verschiedenen Mana-Beschleuniger der Evolution zum Opfer gefallen.
Gehen wir nun auf einige Karten und ihre Bedeutung genauer ein.
Arcbound Worker und Simic Initiate: Die stillen Arbeiter in diesem Deck. Sie stellen die frühen Blocker und steuern gerne ihre Counter in den Sammelpool bei. Insgesamt sind sie 6 an der Zahl, so dass die Chance bei 70% steht, auch auf der Starthand einen dieser 1st-Drops zu halten.
Arcbound Stinger und Arcbound Crusher: Die verbliebenen Arcbound-Kreaturen sind wegen ihrer verschiedenen Evasion-Fähigkeiten – Flying und Trample – weiterhin mit an Bord und saugen gierig Counter auf.
Vigean Hydropon: Liefert stumm seine Counter ab ohne weiteres Mana zu einzufordern und verschwindet dann wieder. Ich habe mich für diese teilnahmslose Kreatur entschieden, weil die im vier-Mana-Bereich und darüber liegenden Kreaturen am wichtigsten sind, und mit zusätzlichen +1/+1-Marken noch etwas anfangen können.
Cytoplast Root-Kin: Einen 4/4er-Body für 4 Mana nehmen wir in einem Beatdown-Deck wie diesem hier sowieso gerne mit. Wenn er dann auch noch jeder eigenen Kreatur eine begehrte +1/+1-Marke schenkt, wäre sein Fehlen unverzeihlich. Entfaltet seine Wirkung natürlich besonders im Lategame, wenn schon das ein oder andere Triskelion oder der Pentavus auf dem Tisch liegen.
Triskelion und Pentavus: Die Kerle, die mehr mit ihren Countern anstellen können, als einfach nur zu wachsen. Während das Triskelion munter gegnerische Kreaturen – oder manchmal auch den Gegner selbst – abschießt, schafft das Pentavus eine ganze Evasion-Armada.
Thrive: Sozusagen der Root-Kin ohne Körper. Ist wesentlich flexibler als das früher verwendete Battlegrowth. Da die Kreaturen ihre Marker geradezu beliebig untereinander austauschen können (eine gesunde Fluktuation vorausgesetzt), ist es sogar relativ egal, welche Kreaturen angezielt werden. Der Timmy in uns rät aber zu: je größer, desto besser.
Rite of Passage: Wie oben bereits kurz erwähnt ergibt sich zusammen mit einem Triskelion und dem gleich behandelten Doubling Season eine wunderschöne Endloskombo, die im sofortigen Overkill endet.
Doubling Season: Die absolut wichtigste Karte in einem Deck, das darauf aufbaut Counter oder Token zu verteilen. Verdoppelt jeden dahingehenden Simic Initiate, macht aus dem Vigean Hydropon einen virtuellen 10/10er, ermöglicht sehr schöne Kombinationen mit dem Pentavus und ist im Großen und Ganzen überhaupt nicht wegzudenken.
Thermal Navigator und Reshape: Die Notfalllösungen, wenn grad mal überhaupt nichts gehen will. Weigert sich der Gegner beharrlich, die eigenen Arcbound-Kreaturen zu blocken und unser innerer Timmy möchte doch so gerne mit der Produktion größerer Kreaturen beginnen, opfern wir einfach eine der Kreaturen für einen ordentlichen Effekt weg und beginnen endlich mit unserer Counter-Maschinerie.
Alternative Evolutionen
Alternativ zu dem oben beschriebenen Beispiel wäre es natürlich auch möglich, die Simic-Kreaturen einzusetzen, die ihre Evasion-Fähigkeiten auf Kreaturen mit +1/+1-Countern verteilen können: Cytospawn Shambler, Simic Basilisk oder Helium Squirter. Da wir in dem Fall nicht mehr darauf achten müssen, dass die Arcbound-Kreaturen eigene Evasion-Fähigkeiten mitbringen, können wir uns in einem solchen Deck auf die kleinen, günstigeren Kreaturen konzentrieren, während die hohen Mana-Slots von den Simic-Kreaturen belegt werden:
Da wir her genügend Evasion sozusagen "Frei Haus" geliefert bekommen, ist die Doubling Season nicht mehr so wichtig, da die Größe der Kreaturen zweitrangig wird. Ebenso haben sich das Triskelion und der Pentavus verabschiedet, da ihre Kombo-Möglichkeiten in diesem Deck zu eingeschränkt sind.
Ausserdem hat dank Ponder ein wenig blaue Deckmanipulation Einzug gehalten, die es uns ermöglichen soll, die richtige Kreatur für den richtigen Fall auf die Hand zu bekommen.
Zukünftige Evolutionen
Wie wir alle wissen, ist der Morgen gerade angebrochen und die neueste Magic-Edition – „Mornigtide“ – hat ihren Weg in unsere Kartensammlungen gefunden. Auch in diesem Set haben sich Wizards of the Coast wieder einige neue Tricks rund um das Thema +1/+1-Counter einfallen lassen. Neben der neuen Fähigkeit „Reinforce“, die fleissig +1/+1-Counter auf unsere Kreaturen verteilt, gibt es auch einen Haufen neuer Karten, die etwas mit unseren +1/+1-Countern anfangen können. Sozusagen als Bonusprogramm gibt es nun noch eine Deckliste für unseren Timmy, die – als zusätzliche Würze – einige Morningtide-Karten enthält:
Diese Deckliste verabschiedet sich erstmals komplett von den Arcbound-Kreaturen aus Mirrodin, da durch die zusätzlichen Nicht-Artefaktkreaturen aus Mornigtide einfach nicht mehr genug lohnenswerte Ziele für ihre Counter-Wanderung übrig bleiben.
Stattdessen setzen wir auf neue Möglichkeiten: Der Bramblewood Paragon verleiht fast jeder Kreatur in diesem Deck Trample (auch wenn keine weiteren Warriors dabei sind). Fertilid ergibt in Verbindung mit Rite of Passage, Doubling Season und einem Triskelion (ihr merkt schon, das sind fast universell einsetzbare Wunderwaffen) eine Bibliothek, die bald kein einziges Land mehr enthält. Und wohin mit dem ganzen Mana? Nun, der Sage of Fables freut sich natürlich über ausreichend Mana, während er ein anspruchsloses Vigean Hydropon in fünf neue Karten auf der Hand umwandelt.
Ich bin in diesem Beispiel übrigens bei der Farbkombination blau/grün geblieben, um dem Sage of Fables mit dem Vigean Hydropon ein äußerst dankbares Opfer an die Hand zu geben. Mornigtide liefert aber mit seinen weißen Karten einige hervorragende Sprüche, die das Thema unterstützen: Swell of Courage ist hier eines der besten Beispiele, aber auch Meadowboon (gerade in Verbindung mit dem ein oder anderen Momentary Blink) macht sich in einem +1/+1-Counter-Deck extrem gut.
Zum Abschluß
So, ich hoffe, dass ich dem Timmy in Euch ein paar Anregungen zum Herumexperimentieren mit grossen, bösen Kreaturen geben konnte. Für konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich natürlich nach wie vor zu haben.
Bis dahin
Seanchui
MM |
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| 2 Kommentare | |   |
| #1 | Martin Fuchs — hunting triad | 12.02.2008 - 10:58 |
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ganz netter artikel, vor allem die fertilid combo hoehrt sich lustig an, da waer ich nie drauf gekommen.
die decklisten sehen halt doch etwas schnell runtergeschrieben aus.
bei deiner hohen kurve wuerde ich statt dem 1/1er graft mann doch lieber mana beschleuniger spielen, etwa llanowar elfen oder coiling oracle. auch das bounceland aus dissention wuerde sich fuer ein casual deck anbieten, ist zum einen billiger als die breeding pools, zum anderen kommt man damit leichter auf das mana fuer doubling season/triskelion.
ich wuerde umbedingt versuchen, die von dir bereits verlinkte hunting triad ins deck einzubauen. ich habe in meinem elfendeck nur gute erfahrunen damit gemacht.
sollte einmal bramblewood paragon und doubling seaon liegen, kriegst du fuer 4 mana 6 3/3er mit trample.
evtl findest du noch platz fuer den einen oder anderen plaxcaster frogling. war damals eine meiner lieblingskarten im t2. fuer 2 mana ein removal zu countern auf einem soliden 3/3 body + graft fuer nur 3 mana ist schon ziemlich nice.
freue mich schon auf deinen naechsten artikel |
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| #2 | erwin schronz — blub | 12.02.2008 - 14:33 |
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schönes thema, gut ausgearbeitet.
sehr gut zu lesen.
großes lob. diesmal auch nix vergessen und schön die netwicklung eines deck beschrieben. wie es das in unser aller anfänger zeiten mal gegeben hat.
Super, sowas gerne wieder. |
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