|
Es ist mir gelungen, obgleich ich eigentlich gar keine Zeit dazu hatte, die Decklisten vom HL GP von chaotischer handschriftlicher in digitale Form zu bringen. Meinen herzlichen Dank an die wenigen Spieler, die so freundlich waren, mir ihre Deckliste zuzumailen. Eine Deckliste ist dabei jedoch relativ deutschsprachig ausgefallen, da sie in dieser Form vorlag und ich die englischen Kartennamen bei den abstruseren Karten nicht spontan ihrem deutschen Pendant zuordnen konnte. Hoffentlich könnt Ihr trotzdem etwas damit anfangen. Ich wünsche jedenfalls viel Spaß beim Betrachten und nachbauen!
Zudem möchte ich heute zunächst zwei der aggressiven Decks vergleichend analysieren. Die prinzipielle Schwierigkeit zwei Kombinationen von knapp hundert verschiedenen Karten zu vergleichen, sollte jedem Highlander-Spieler wohl bekannt sein. Während man bei einem 60/4 Format noch relativ gut einen von neun vierer Slots heraus greifen kann und seine Relevanz im Deck und seine Ersetzbarkeit durch ein anderes "four of" aus dem begrenzten Kartenpool legaler Karten Diskutieren kann, fällt diese Diskussion beim 100/1 Highlander-Format mit nahezu unbegrenztem Kartenpool bedeutend viel schwieriger aus. Zwar kann man sich eventuell noch darüber einigen, was die besten Drops mit einer bestimmten Casting Cost zur Erreichung eines spezifischen Ziels sind, aber wie die Kurve überhaupt auszusehen hat, muss man auch noch klären. Denn die mögliche Variationsbreite ist in dieser Hinsicht Lichtjahre von herkömmlichen Constructed-Formaten entfernt, in denen die Menge der wirklich guten Karten zur Erreichung eines spezifischen Ziels sehr limitiert ist. Die Varianz der Fähigkeiten jeder einzelnen Karte, stellt einen im Highlander-Format vor gravierende Probleme, wie zum Beispiel die Fragestellung: Braucht man in diesem Deck jetzt eher noch den achtbesten 3-Drop oder den sechstbesten 4-Drop in meinen Farben? Und diese Überlegung täuscht gerade vor, dass es immer nur darum geht die beste Einzelkarte ins Deck zu packen. Synergien sind dabei noch gar nicht berücksichtigt! Trotz all dieser prinzipiellen Probleme möchte ich mich an eine Analyse heran wagen. Die Decks, die mir aufgrund der größten prinzipiellen Ähnlichkeit und Kartenübereinstimmung dafür prädestiniert scheinen, sind Jörns Zoo und Simons RG. Hier zunächst die Decklisten:
Der Übersichtlichkeit Halber habe ich die Kartennamen in den Decklisten schon nach Casting Cost sortiert und in der folgenden Tabelle ein kleines Datenpaket für Euch zurechtgeschnürt. Hier findet ihr für beide Decks die Anzahl der Länder und die Anzahl der Kreaturen und Spells separiert durch "/" für die jeweils angegebene Casting Cost aufgeführt:
| CC | L | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | X | | RG | 35 | 0/1 | 12/10 | 13/6 | 7/7 | 5/2 | 2/0 | 0 | | Zoo | 37 | 0 | 10/6 | 13/7 | 7/5 | 9/2 | 2/0 | 1 |
Zunächst fällt bereits bei der Betrachtung der Manakurve auf, dass wir unser Elder Dragon Legend Deck auch im neuen Format nach den Bannings getrost zu Hause lassen können, denn die Beatdowndecks stellen die Uhr im Highlanderformat ca. auf Turn 5, falls wir nicht viel mehr zappeln als ein Goldfisch bei der Fütterung der Raubtiere. Im direkten Vergleich bemerken wir weiterhin, dass sich die Manakurve der beiden Decks in der Mitte sehr ähnlich ist, während sie an den Rändern leicht variiert. Während Simons Deck den Fokus offensichtlich vollständig auf die Aggression legt, ist dies bei Jörns Zoo etwas weniger der Fall. Zwar hat er nur zwei 1-Drop Kreaturen weniger im Deck, so dass er jetzt auch nicht besonders oft im ersten Zug nichts ausspielt, aber das sind doch schon 1/6 weniger als bei Simon und vor allem hat er deutlich weniger Burn für ein Mana im Deck. Das führt zum Einen dazu, dass er eventuell auch kein Removal spielen kann, falls er den 1-Drop auslässt, und zum Anderen sagt das einiges über seinen "Lategame-Plan" aus. Das Zoo Deck benutzt diese Slots ja für 4-Drops, die sich hier erstaunlicherweise auch in höherer Anzahl tummeln als die 3-Drops. Während Simon also gar nicht unbedingt vier Mana ziehen will, oder falls er vier hat, diese eher für mehrere Spells auf einmal ausgeben möchte, sollen im Zoo dann dem Gegner eher ein paar Runden lang die dicken Viecher präsentiert werden.
Nun sind die Manakurven ja zunächst mal unabhängig davon, dass das eine Deck zusätzlich Weiß enthält und das andere nicht. Welche Kurve ist also generell die bessere? Das hängt vom jeweiligen Matchup, also vom aktuellen Metagame ab. Während gegen Kontrolle die niedrigere Kurve einen immensen Vorteil bietet, weil man die Züge, in denen der Kontrollmagier noch Manafixing und Tutoring betreibt, besser nutzen kann, um ihn zu beschädigen, hat man mit der Streckung der Kurve bis zu den 4-Drops die Nase weit vorne im Mirror, denn man muss dann nur defensiv spielen und immer abtauschen bis die klobigeren Kreaturen ins Spiel kommen. Die vier oder gar fünf Toughness, die diese Kreaturen im Gegensatz zu den billigeren Drops mitbringen, sind immer grundsolide gegen Verbrennungszauberei, so dass man den Gegner zwingt mehrfach zwei zu eins abzutauschen, bis man das Spiel durch Handkarten-, oder Kreaturenvorteil zu den eigenen Gunsten entscheiden kann. Gegen die Kontrollmagier können die 4-Drops jedoch gar nichts, weil sie meistens Resourcennachteil machen. Jede einzelne kostet nämlich nicht nur genauso viel wie der Wrath of God auf alle, sondern sie fangen sich im Zweifelsfall auch einen Mana Leak, Counterspell oder im schlimmsten Fall auch einen Mana Drain, während mit den zwei übrigen Ländern vom Kontrollmagier noch per Impuls oder ähnlichen Karten nebenbei weitere Lösungen gesucht werden.
Soweit also zur Manakurve im Allgemeinen. Wie sieht es nun aus mit der dritten Farbe? Konsistenzprobleme in Hinsicht auf die Erlangung aller drei Farben gibt es aufgrund der zusätzlichen Sonderländer aus den letzten beiden Blöcken nicht mehr. Während vorher die Aggrodecks eindeutig höchstens zweifarbig sein mussten (UG und RG), weil ansonsten die Aggressivität und damit auch man selbst bei einem schlechten Landdraw auf der Strecke blieb, spricht nun auf den ersten Blick nichts mehr dagegen mehrfarbig anzugreifen, wie eine andere Top8 Deckliste eindrucksvoll präsentiert, wo ins UG erstmal schwarz und (!) weiß gesplasht wurden. Natürlich muss man nicht unbedingt die italienische Landesfahne hissen, viele weitere dreifarbige Kombinationen sind denkbar. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Finden der besten Farbkombination!
Festzuhalten bleibt hier aber noch, dass die weißen Karten eben besonders gut im Semi-Mirror gegen RG sind, da sie mit ihrer hohen Toughness potentiell außer Burnreichweite liegen und der Lifegain das raus gebrannt werden des Spielers verhindert. Wenn man nun aber RGW als vollkommen überlegenen Nachfolger von RG ansehen würde, der RG aus dem Format entfernt, dann bringt das zum einen eine Techspirale in Gang, denn gegen den Weißsplash gewinnt man bestimmt locker mit einem Blausplash in der Luft oder über Kartenvorteil, oder mit Schwarz statt Rot für Removal, das nicht schadensbasiert ist, zum anderen greift die Analyse dann aber wahrscheinlich auch zu kurz, denn RG ist RGW nicht eindeutig unterlegen. Es hat nämlich weiterhin die Möglichkeit die Non-Basic-Land-Hoser des Formats zu spielen, während die Multicolor-Aggrodecks dies nicht können. Im Gegenteil sie werden selbst leicht Opfer von diesen Hosern, wie man beim GP mehrfach sehen konnte. Das Back to Basics für den Kill im Upkeep, nachdem letzte Runde der grüne Pact gespielt worden war, war nur das witzigste Beispiel. RG hat insofern mehr Potential gegen die Kontrollmagier und kann auch das Zoo Matchup manchmal mit den Hosern, wie Price of Progress, Blood Moon oder Ruination für sich entscheiden.
Sicherlich kann man auch noch stundenlang über die einzelnen Cardchoices der beiden Decks diskutieren, aber diese Feinoptimierung überlasse ich Euch selbst. Verwundert war ich nur insbesondere über die Exklusion von Radha, Heir to Kjeld und Garruk Wildspeaker in Jörns Deck, während ich in Simons Liste den Call of the Herd vermisst habe. Hatte Simon dafür gute Gründe, oder hatte er doch nur die Telefonnummer des Elefanten verlegt?
Im Anschluss findet Ihr die restlichen Top8 Decklisten. Viel Spaß damit!
PW
|
|
| 11 Kommentare | |   |
| #1 | Frank Topel — Ansatz gut, aber... | 01.12.2007 - 11:38 |
|
|
Du hattest versprochen: "Die Top8 Decks waren alle sehr unterschiedlich. Decklisten mit eingehenden Analysen gibt es in Kürze von mir." Ist dieser Artikel also nur als Auftakt zu verstehen?
Die Analyse selbst gefällt mir von der Herangehensweise sehr gut, aber den Begriff "eingehende Analyse" hat sie in meinen Augen nicht verdient. Gerade bei RGW (FiresGeddon!) und auch RG gibt es, wie Du schon erwähnst, aber leider nicht ausführst, ganz unterschiedliche Ansätze. Auch insgesamt ist mir der Artikel vom eigentlichen Inhalt her viel zu kurz, da hatte ich mich einfach auf weit mehr gefreut. Darüberhinaus (auch wenn Jörn kein Ravages gespielt hat (vermutlich weil er, wie die meisten, keines auftreiben konnte)) spielt Jörn, und das dürfte wohl auch ein massiver Unterschied sein, Armageddon. Das dürfte sein Spiel gegen Kontrolle auch wieder stark verbessern. Tappt der Kontrollmagier sich ab Turn 4 gegen RG aus, kriegt er nur Tiere oder Burn präsentiert. Gegen Jörn kann es sein dass er in seinem nächsten Turn nix mehr zum untappen hat...
Bei meinem momentanen RG hört z. B. die Manakurve bei 3 auf. Es spielt extrem viele Tiere für 1 und 2, und alle guten Pumpspells, um möglichst schnell zu töten. Diese Variante dürfte z.b. auch gegen die Fatties von Jörn relativ gut dastehen, da es öfter mal seinen Kird Ape mit Giant Growth gegen Jörns Blastoderm stellt, so dass hier vom Mana her ein 4-1 Tausch stattfindet. FiresGeddon geht einen ganz anderen Weg: Es spielt alles, was es an guter Manabeschleunigung für 0, 1 und 2 gibt, dazu alle Länder, die direkt mehr als 1 Mana produzieren. Das Deck (welches Sascha Naumann auch auf dem GP gespielt hat, Bericht siehe Forum MagicPlayer.org) will nach Möglichkeit bereits ab Runde 2, spätestens jedoch ab Runde 3 dicke Männer legen (4/4, 4/5, 5/5). Beispiel gefällig: Turn 1 Mox Diamond, discard random Land, Ancient Tomb, Remove Elvish Spirit Guide, Fires of Yavimaya. Turn 2 City of Traitors, Saproling Burst, 3 Tokens, Attack für 12. Turn 3 Mountain, Skizzik mit Kicker, Attack für 14 - GG. So geschehen vor Jahren gegen den Kombomagier, der Turn 3 mit Worldgorger Dragon Kombo killen wollte, aber keinen Turn 3 bekam...
Diese mögliche Bandbreite von Decks deutest Du an, aber lässt sie nicht wirklich zum Zuge kommen.
|
|   |
| #2 | Georg Beltle | 01.12.2007 - 22:27 |
|
|
Ich fand den Vergleich der Bieden RG Listen auch super.
Ich persönlich leide jetzt nicht so darunter dass zu den anderen Listen nichts geschrieben wurde, da ich mich ja relativ gut auskenne, aber für andere Leser wäre es bestimmt schön gewesen.
Vielleicht kann man das ja nachholen. Musst ja nicht du machen HaJo.
Ich habe mir persönlich eh schon überlegt einen Beats-Primer zu machen in welchem ich dann auch die drei puren Beatdowndecks der T8 verarbeiten kann.
Da ich mich mit Kontrolle nicht so gut auskenne müsste sich da jedoch jemand anderes finden. |
|   |
| #3 | Frank Topel — Mal was ganz anderes... | 02.12.2007 - 13:03 |
|
|
... wieso nimmt man eigentlich ausgerechnet Umezawa's Jitte als Bild für Artikel der Kategorie Highlander? |
|   |
| #4 | Frank Topel — Ach, und nochwas... | 02.12.2007 - 15:38 |
|
|
|
... erst schreien alle nach den Decklisten, nun sind sie da und es kriegt mal wieder keiner das Maul auf. Genau aus dem Grund hab ich keinen Bock mehr was für die Community, die bis auf die wenigen, immer gleichen Leute nie eine war, zu tun. |
|   |
| #5 | Hans Joachim Höh — Auftakt | 02.12.2007 - 15:51 |
|
|
|
Ja, ich habe geplant ungefähr einmal im Monat etwas zur Highlander Kategorie zu schreiben. Mein Uni Abschlußverfahren lässt mir leider nicht mehr Zeit. Dabei werden in Nächster Zeit sicher die Top8 Decklisten weitere Beachtung bekommen. Eure Wünsche und Vorstellungen dazu könnt Ihr ja hier kundtun. Aus meiner Sicht böte es sich an, die Kontrolldecks unter die Lupe zu nehmen. |
|   |
| #6 | Philip Wiest — Umezawa's Jitte | 02.12.2007 - 21:55 |
|
|
Ich fand es passte ganz gut: Highlander -> Film -> Schwertkämpfer. Nun ist ne Jitte kein Schwert, aber das Bild an sich sagt mir irgendwie: "Es kann nur einen geben."
Aber das ist sicherlich Geschmackssache und ich bin immer offen für konstruktive Vorschläge.
|
|   |
| #7 | Frank Topel — Soweit sehe ich die Begründung ein... | 03.12.2007 - 05:34 |
|
|
... aber Jitte ist banned für MagicPlayer-Highlander
P.S.: Die DCI hat es inzwischen ja auch eingesehen (s. Banned/Restricted List Update für Singleton vom 01.12.2007) |
|   |
| #8 | Sascha Naumann — Artikel | 03.12.2007 - 10:18 |
|
|
Ich persönlich fand diesen Artikel um Längen interessanter als die vorangegangenen Coverages, da er, auch wenn er insgesamt kürzer ist, mehr Informationen für Highlanderspieler transportiert. Außerdem enthält er ja auch die lange angeforderten Decklisten. ;)
Die Analysen der beiden Decks waren super, und ich hoffe auf mehr davon. Wurde ja auch schon angekündigt.
Weiter so!
P.s: Als Bild würde doch Sword of the Chosen thematisch und auch vom Artwork her passen. |
|   |
| #9 | Marcus Malden — @4 | 03.12.2007 - 11:04 |
|
|
|
Es ist ja meistens so. "Kommentar" wird irgendwie als Aufforderung zur Kritik verstanden und decklistenfixierte Leser kritisieren dann eben, wenn sie sie nicht finden (müssen dann Text lesen -> doof). Gerade die Highlanderlisten sind immer müssig. Daher von hier aus Daumen hoch! |
|   |
| #10 | Timo Barwisch — ich finds guddie | 03.12.2007 - 22:44 |
|
|
|
ich denke wir sollten Hajo des öfteren vergleichbare Decks geben, damit er die für uns analysiert. Ich könnt mich dran gewöhnen |
|   |
| #11 | Sascha Naumann — BTW.. | 04.12.2007 - 11:14 |
|
|
|
Gibt's die Final Standings (nicht nur Top 8) auch hier zu sehen? |
|   |
Kommentieren
Da nur registrierten Kunden das Kommentieren erlaubt ist, musst du dich entweder erst einloggen, oder eben erst registrieren und danach einloggen. Eine Registrierung ist schnell und schmerzfrei erledigt.
|
|
|
|
| Sie haben 0 Artikel |
| im Werte von 0.00 € |
| im Warenkorb abgelegt |
| |
|