Draften mit Charly 08.01.2009  
Draften mit Charly #16
von Thomas Preyer
9,65 Punkte  
8 Kommentare  
Ich lebe, bezogen auf den Boosterdraft, weiterhin asketisch und versuche für euch auch heute wieder Interessantes aus meinem Gehirn zu unearthen.

Sideboard as a resource in Limited


Wir draften, und am Ende wählen wir die, sagen wir mal, 23 besten Karten aus, werfen ein paar Länder dazu, und fertig ist das Deck.

Man spielt aber mindestens genauso viele Spiele mit Sideboard wie ohne Sideboard, das sollte mittlerweile, vor Allem aus dem Constructed Bereich, allgemein bekannt sein.

Dort greift man automatisch und vor Allem immer nach Ende des Games zu den fünfzehn Wechselspielern.
In Limited kann ich das, in dieser Häufigkeit, aber nicht beobachten.

Ich habe, das „Time Stretch Beispiel“ der letzten Woche zeigt es sehr gut, schon viele Spiele durch Sideboardkarten gewonnen.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, die Sideboardkarten in Limited einzusetzen?

Ein paar gängige Varianten möchte ich nun anhand von Beispielen beschreiben.

  1. Karten, die eindeutig gegen etwas bestimmtes zielen:

    Enchantment oder Artifactremoval:


    Aber auch subtiler


    Das sind vermutlich Karten, die auch vom 08/15-Spieler hereingenommen werden, sollte er denn an den Gebrauch des Sideboards überhaupt denken.

  2. Karten, die gegen einen bestimmten Archetyp gut sind:
    • Onyx Goblet gegen das 5-Color Control Deck.
    • Oona's Gatewarden und alle anderen möglichen random 1-CC Tiere gegen das „Schimmel-Deck“.


  3. Karten, die auf Grund der Spielanlage der Decks gut sein könnten:
    • Land-Destruction, vor allem on-the-play gegen bunte und/oder langsame Decks
    • Für das „Control Mirror“: Teure Game-Ender bzw. andere Karten, die wegen der Manakosten erst spät Relevanz erhalten (z.B. Resounding Scream). Auch verschiedenste Gegenzauber können in diesen und ähnlichen Matchups gewinnbringend eingewechselt werden.

Im Gegensatz zum bisherigen Ansatz, passende Karten vom Sideboard in das Maindeck zu hieven, kann es mitunter auch dazu kommen, dass ihr schon im Hauptdeck Karten spielt, die ihr eigentlich gegen euren Gegner gar nicht unbedingt wollt.

Terror gegen Monoschwarz ist hierfür ein glasklares Beispiel.
Aber auch Karten, die vielleicht auf Grund ihrer Manakosten einfach zu langsam sind, kommen für eine Auswechslung in Frage.
Spielt euer Gegner ein aggressives Deck, solltet ihr versuchen eure Kurve etwas anzupassen. Teure Klobos gegen billigere Kreaturen auszutauschen, ist die vielleicht effektivste Möglichkeit.

Wie man es nicht machen soll, habe ich auf einem FNM-Draft vorgezeigt.
 

Mein Gegner gewinnt das erste Spiel, in dem er mit Beseech the Queen die Königin der Feen sucht.

Auf diese habe ich keine Antwort.

In der zweiten Partie macht er das Gleiche.

Mein Sideboard habe ich natürlich keines Blickes gewürdigt, somit konnte ich auch nicht die zwei auf ihren Einsatz wartenden Soul Reap reinboarden. Dazu hätte ich zwar noch Schwarz splashen müssen, aber nach Betrachtung des gegnerischen Decks (nach dem Draft), kam ich zu dem Schluss, dass die Oona, Queen of the Fae der einzige Grund für seinen Sieg war.

Auf anderem Wege hätte ich nicht verlieren können. Ein klares Selbstverschulden also, keine Frage.


Im Sealed-Deck Format sind die Möglichkeiten der Sideboard-Nutzung noch um einiges höher. Klar, ihr habe einfach mehr Karten zur Verfügung. Hier empfiehlt es sich schon vor dem Start der Runden etwaige Farbwechselmöglichkeiten auszuloten und gegebenenfalls schon vorzubereiten, zumindest gedanklich die auszutauschenden Karten festzumachen. Es geht dann auch einfach viel schneller, da man schon weiß, wie man boarden will. (Sonst gibt's noch Scherereien mit dem Schiri. So wegen der begrenzten Austauschzeit und so.)

Auch die Möglichkeit des Farbwechsels habe ich schon einige Male in Anspruch genommen. Selbstverständlich gibt einem nicht jeder Sealed-Pool diese Option, aber auch das ist eine der unzähligen Möglichkeiten einen legalen Vorteil zu erlangen.

Meine „beste“ Sideboardidee hatte ich beim –insert Random Edition here--Preview:

Hinein kam: Das gesamte Sideboard und in etwa 220 Länder.
Raus ging: Nichts.

Ich wollte halt mal Battle of Wits im Sealed brechen…
Es geht nicht... - leider.

Zwar hatte ich einen tollen Start, letztendlich bin ich aber rausgeflutet und natürlich, ohne die Verzauberung zu ziehen. Die Mathematiker unter euch können mir das sicher erklären.

Fazit: Das Sideboard ist auch in Limited wichtig und nicht einfach nur, wie der menschliche Blinddarm, ein sinnloses Stück Haut äh Karten, na ja ihr wisst sicher schon was ich meine.
(Hoffentlich)

Das Ziel im Auge! oder Ein Gameplan muss her!



Einer der Punkte, in dem Magic und Schach eine Schnittmenge haben, ist das Vorausdenken und die Zugplanung. Meist hat man sowieso schon, zumindest die eigenen Plays und sei es auch nur grob, ein paar Turns im Voraus geplant. Zu Beginn des Spieles ist das auch noch relativ einfach, da die Optionen durch das vorhandene Mana limitiert sind.

Interessant wird es im späteren Spiel, wenn dann der Tisch voll von Tieren ist und keiner groß was machen kann. Spätestens jetzt sollte man sich sein weiteres Vorgehen planvoll überlegen.

Um das tun zu können, ist es von elementarer Notwendigkeit, sein Deck zu kennen!

Ich für meinen Teil bin auf einem großen Turnier, sei es ein PTQ, Grand Prix oder die Pro Tour, mit meinem Deck verheiratet. Das bedeutet, ich baue das Deck und danach ist es eigentlich fast die ganze Zeit in meiner Hand. Ich schaue es mir an und spiele gegen Freunde, notfalls auch gegen Bekannte (beim GP hat man ja sowieso unendlich Zeit, welche man auch nutzen sollte).

So merke ich mir einerseits, was denn genau in meinem Deck ist und andererseits teste ich das Deck gegen andere Decks. So lerne ich, was mein Haufen kann und was er nicht kann. Gemeinhin nennt man das „playtesten“.

Hier könnte dann wieder das Sideboard eine tragende Rolle übernehmen. Vielleicht ist der ein- oder andere Maindeck-Slot fehlbesetzt? Veranstaltet eine Castingshow im Sideboard, vielleicht findet sich unter den vielen unfähigen Bewerbern doch ein kleiner Star.

Das klingt wie selbstverständlich, aber ich denke, dass es das für viele nicht ist.
In der Praxis bauen viele ihr Sealed-Deck und spielen dann Runde für Runde.
Würde jemand auf diese Weise ernsthaft an ein wichtiges Constructed-Turnier herangehen?
Ich glaube nicht.

Ihr solltet also euer Deck genau kennen, denn dann habt ihr vielleicht einen Vorteil gegenüber den anderen Teilnehmern.

Ach ja!

Zurück zu dem Beispiel. Das Spiel befindet sich in einem Stall und wir kennen unser Deck.
Wir können also nachvollziehen, wie viele und welche Removal, Länder, den Sieg bringende Gamebreaker, den Stall brechende Kreaturen usw. noch in unserem Deck sind.
 

Auf diesem Wissen können wir das weitere Spiel und den Siegesplan aufbauen. Sollten in meinen letzten, sagen wir 17 Karten noch zwei Titanic Ultimatum warten, dann werde ich wohl alles daran setzten, den Stall aufrecht zu erhalten und dabei möglichst keine Kreatur zu tauschen.

Aber gerade wenig erfahrene Spieler schaffen es in solchen Situationen meist nicht initiativ zu werden. Die Situation ist ihnen zu komplex. Sie ziehen, spielen aus und sagen weiter. Erst wenn die Lage eindeutig zu ihren Gunsten liegt, greifen sie an. Auch das kann man sich zunutze machen. Oft reicht es, das eigene Board möglichst bedrohlich aussehen zu lassen, auch wenn es das in Wirklichkeit gar nicht ist.

Deckkenntnis hilft uns auch in anderen Fällen. In etwa, wenn man noch Burnspells im Deck hat. Da ist manchmal, besonders wenn die Situation für einen schon nicht rosig aussieht, die planvolle Flucht nach vorne, d.h. die gegnerischen Leben, auch mit Verlusten, in Reichweite der verbleibenden „Outs“ (Burnspells) zu bringen, die beste Wahl.

In den eigenen Plan sollte man natürlich auch die Karten des Gegners mit einbeziehen.

Man kann davon ausgehen, dass die meisten Spieler 17 Länder zocken. Diese Information hat man schon vor dem ersten Spiel und in den weiteren kann man den Wissensstand über das gegnerische Deck in noch stärkerem Maß in den Gameplan mit einfließen lassen.

Gegner:
Library: 20 Karten
Hand: 0 Karten
Länder: 7

Wir:
Library: 20 Karten
Hand: 0 Karten
Länder: 11

Wenn das Spiel zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen ist, haben wir rein theoretisch gute Siegchancen, denn unser Widersacher sollte statistisch gesehen jeden zweiten Drawstep ein Land abheben, wir nur jeden dritten. Das Beispiel ist natürlich stark vereinfacht, ich denke aber die Idee dahinter sollte klar sein.

In der Praxis kann das so aussehen:
Ich spiele in einem "Shards of Alara"-Draft, habe ein vielfarbiges Kontrolldeck. Er zockt die Karten der Bant-Scherbe.

Kurzer Einschub: Diese Scherben nerven mich echt schon so was von! Für den nächsten Block wünsche ich mir ganz normale Farben. Ohne diese oder ähnliche Kunstprodukte. Bant, Jund, bäh! Multicolor ist ja nett, aber ich will mal wieder den puren Magicgenuss. Einfach mal wieder sagen können: „Mein Deck ist Rot/Grün!“ (...oder "Gruul"^^ -MM)

Das Spiel ist schon weit vorangeschritten, beide haben wir massig Länder.
Ich spiele einen Jungle Weaver, welcher die einzige Kreatur auf dem Tisch sein wird, aus.

Da es sich schon um Spiel drei handelt, kann ich jetzt die vorher gesammelten Informationen anwenden.

Ich weiß, dass er Gather Specimens und Resounding Silence im Deck hat. Beide wurden bisher nicht ausgespielt.
Er hat noch zwei Handkarten und in seiner Bibliothek befinden sich 14 Karten.
Da er bereits 10 Länder im Spiel hat, befinden sich noch geschätzte 7 in seiner Library (oder seiner Hand).

Er hat also noch maximal neun Sprüche, um das Spiel zu gewinnen. Von diesen neun Sprüchen kann ich die Resounding Silence und das Gather Specimen abziehen, sowie zwei andere „random“ Sprüche ohne wichtigen Effekt (die ich kenne, aber vergessen habe - also mittlerweile, damals wusste ich sie natürlich).

Er hat also effektiv nur noch fünf Karten (vielleicht weniger), die das Spiel für ihn gewinnen können.

„Das „Risiko“ gehe ich ein“, dachte ich mir.

Was habe ich gemacht?

Zum einen habe ich keine Kreatur mehr ausgespielt, zum anderen habe ich nicht mehr angegriffen, gar nicht mehr.

Am Ende starb er den Decktod.

Er hat noch ein paar Viecher ausgezockt, Stoic Angel und anderes Gesöcks, aber der Weaver und einige andere Spells haben ausgereicht, um ihn am Sieg zu hindern.

Ohne nachzudenken hätte ich sonst wohl die große Spinne an die Stille verloren und das nächste Tier hätte ich ausgezockt und er hätte es sich wohl mit dem blauen Instant geschnappt.

Das ist natürlich hypothetisch, aber nicht unbedingt unwahrscheinlich.

(Das Beispiel ist übrigens ein wenig hingeschustert, denn an die genauen Zahlen kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber im Grunde war es so.)

Es geht also, anders als im Dschungel-Camp, nicht um das Überleben, sondern ums gewinnen. Darauf sollte man seine Anstrengungen verlegen, gerade dann wenn man dabei ist ein Spiel zu verlieren. Da ist dann der Zeitpunkt gekommen, wo man auf „Chance“ spielen muss. Es gilt alles zu unternehmen um noch eine Möglichkeit zu haben das Spiel zu gewinnen. Einfach runtergezockt, verliert man die Partie, warum also die Karten nicht so ausspielen, dass man mit Hilfe einiger glücklicher Ziehsegmente noch gewinnen kann?

Da wird man dann als „Lucker“ bezeichnet, weiß es aber selber besser, denn man muss erstmal die richtigen Plays machen, um das Glück auch in Anspruch nehmen zu können.
Das wird dann leider oft vergessen.

Unser Ziel ist also, zu gewinnen und nicht „nicht zu verlieren“.
Der Weg ist im Endeffekt auch nebensächlich, im Notfall schlägt man den Gegner auch mit ausgespielten Stinkweed Imps und Narcomoeben tot.

PS


Eben erreichte mich folgendes Email; Absender: Wizards of the Coast

You currently don't have any levels in the Pro Players Club. You still have your lifetime Pro Points and if you have only pro points from Grand Prix will still be considered an Amateur. We hope you will rejoin the Pro Tour in the future.


Das ist aber reizend!

Der letzte Satz klingt irgendwie so, als wäre ich freiwillig vom im Eiltempo brausenden „Gravy-Train“ gesprungen. Ich Depp!

Grad eben noch, in der Pro-Players-Lounge, hab ich mir eine triefend, süße Ananas mit Pauli Vito-Karma da Rosé geteilt. So schnell kann es gehen.

Aber siehe da, nur eine Stunde später kam wieder ein Mail; Absender: Again die Seattle-Buam

Your Pro Club Membership level is now: Pro Club Member Level 1. Please review the benefits and policies at ….

Eine schöne Sache, keine Frage. Aber wie habe ich das geschafft. Anscheinend bekomme ich fürs Artikel verfassen Pro-Punkte!

15 sollte ich übrigens 2009 machen, der Herr von Welt will doch zumindest für die Hall-of-Fame wählbar sein. Mehr ist unrealistisch/utopisch (konnte mich nicht für eines der Wörter entscheiden).
Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich wohl die Nationals erneut gewinnen.

8 Kommentare

 
  #1o vid08.01.2009 - 00:22
10 punkte von mir, etwas kürzer als gewohnt, aber I LIKE IT!
gute ideen, auch wenn man sie selbst schonmal gedacht hat, ist es gut sie zu wiederholen...
 
  #2Jonas Weller — Ja ja, das gute Voraussehen08.01.2009 - 00:32
...habe ich auch letztens im Draft erleben müssen. Ich spiele RUBwg Control mit Fatties und verliere gegen BR Aggro mit Blightnings und Deathraiders en masse. Ich borde also Cräp Kreaturen wie Jhessian Lookout und Vectis Silencer rein... und gewinne. Im ersten Spiel jedoch wurde ich belächelt, wieso ich denn solche "Misplays" mache: Er hat einen Bloodcultist(Pinger) und ein Random Critter, ich nur 2 X/1 Viecher auf der Hand. Mein Leben war auf 5. Um Zeit zu schinden und ws Dickes nachzuziehen spiele ich die beiden X/1 (Eule und noch son Vieh), und er pingt einfach beide ab, bevor er zum Race geht. 2 Runden gewonnen =)

Der Artikel trifft also den Kern^^ Gut so´.
 
  #3Benedikt Schneiber — Pro Level08.01.2009 - 11:07
Wie du das gemacht hast? Ganz einfach: Kuala Lumpur war letzte Saison
 
  #4Thomas Preyer — ...08.01.2009 - 12:26
Die Frage ist nur wie habe ich eine Stunde später das Pro Level wieder bekommen...
 
  #5Benedikt Schneiber — ach so...08.01.2009 - 12:31
das meinst du.

Ich schätze mal die Wotzies setzen für alle Spieler das Level zu einem bestimmten Stichtag auf Null zurück und berechnen danach das jeweilig gültige Level neu; ich hab auf jeden Fall auch dieselben Mails kriegt.
 
  #6Thomas Holzi08.01.2009 - 20:05
ja kA ich hab auch 2 verwirrende mails bekommen, aber is mir eigtl. ziemlich egâl^^
 
  #7Eckart Svatek — :]09.01.2009 - 11:18
Gefällt mir sehr gut. :]
 
  #8Eckart Svatek — :]09.01.2009 - 14:21
 

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